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Kurt Baumann, Heinz Hasselmann, Reinhard Mohn, Hans Reuter

  • Hans Reuter, Kurt Baumann, Reinhard Mohn, Heinz Hasselmann - Mitglieder der Logistics Hall of Fame 2026

    Hans Reuter, Kurt Baumann, Reinhard Mohn, Heinz Hasselmann - Mitglieder der Logistics Hall of Fame 2026

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  • Reinhard Mohn - Mitglied der Logistics Hall of Fame 2026

    Reinhard Mohn - Mitglied der Logistics Hall of Fame 2026

Die Hochregallager-Pioniere

Das automatische Hochregallager markierte den Beginn einer neuen Ära der Lagerlogistik und wurde zum Ausgangspunkt der weltweiten Entwicklung moderner Hochregallager. Stellvertretend für diese Pionierleistung ehrt die Logistics Hall of Fame Kurt Baumann, Heinz Hasselmann, Reinhard Mohn und Hans Reuter, die mit dem Bertelsmann-Büchersilo den Grundstein für die moderne automatische Lagertechnik legten.

Branche Intralogistik, Versandhandel, Maschinenbau
Land Deutschland
Aufnahme in die Logistics Hall of Fame 2026

  • Verdienste

    • In den 1950er-Jahren bestimmten Handarbeit, Gabelstapler, Schubmaststapler und Fördertechnik in Bodennähe das Bild der Lagerhaltung. Gelagert wurde überwiegend ebenerdig und entsprechend flächenintensiv, vor allem wenn es um schwere Teile ging. An eine bedarfsgerechte Steuerung von Materialfluss und Kommissionierung war nicht zu denken. Das 1962 in Betrieb genommene automatische Hochregallager des Bertelsmann-Verlagshauses in Gütersloh – der sogenannte Büchersilo – gilt als erste praktisch eingesetzte Hochregallageranlage mit automatischem Regalbediengerät und als Meilenstein der Intralogistik. Es markierte den Beginn einer neuen Generation automatisierter Lagertechnik und wurde zum Ausgangspunkt der weltweiten Entwicklung moderner Hochregallager.
    • Diese Pionierleistung war das Ergebnis des Zusammenwirkens visionärer Unternehmer und herausragender Ingenieure. Stellvertretend für diese Gemeinschaftsleistung stehen insbesondere Reinhard Mohn und Kurt Baumann als Auftraggeber sowie Hans Reuter und Heinz Hasselmann als Technologiepartner. Gemeinsam initiierten, konzipierten und realisierten sie das Projekt und legten damit den Grundstein für die moderne Lagerlogistik.
    • Das Hochregallager ist weniger das Ergebnis einer einzelnen Erfindung als vielmehr eine Systeminnovation der industriellen Logistik der 1950er- und 1960er-Jahre. Erst das Zusammenwirken verschiedener Entwicklungen – darunter die Standardisierung der Europalette, der Stahlhochbau und das automatische Regalbediengerät – machte die Automatisierung der Lagerung in großen Höhen möglich. Deutschland spielte dabei eine Schlüsselrolle, weil hier Fördertechnikhersteller, Stahlbauunternehmen und Versandhandelsunternehmen diese Systeme gemeinsam entwickelten und erstmals industriell einsetzten.
    • Der Büchersilo in Gütersloh: Meilenstein der Logistikgeschichte
    • Das erste automatische Hochregallager entstand ursprünglich nicht für Palettenware, sondern für Bücher. Mit dem Bau der neuen Lagerhalle begann Bertelsmann im Sommer 1961. Bereits im März 1962 ging der rund 20 Meter hohe Büchersilo mit einer Kapazität von bis zu sieben Millionen Büchern in Betrieb – eine technische und logistische Pionierleistung. Die Regalanlage diente zugleich als tragende Konstruktion für Dach und Wände und gehörte damit zu den ersten Hochregallagern in Silobauweise. Ziel war es, eine maximale Raumausnutzung mit einer weitgehend automatischen Lagerung zu verbinden.
    • Die Initiative zum Neubau entstand aus dem stark wachsenden Auftragsvolumen des expandierenden Buchgeschäfts. Seit 1960 bot das Kommissionshaus Buch und Ton (KBT) seine Dienstleistungen auch Verlagen außerhalb des Bertelsmann-Konzerns an. Mit dem Neubau an der Friedrichsdorfer Straße (heute Carl-Bertelsmann-Straße) konnten drei Außenlager aufgegeben und Verwaltung sowie Lager erstmals an einem Standort zusammengeführt werden – ein bedeutender Schritt für die logistische Prozessoptimierung.
    • Die Rolle des Regalbediengeräts
    • Bereits Ende der 1950er-Jahre entstand bei Demag die Idee eines Regalbediengerätes (AS/RS), das sich horizontal und vertikal bewegen konnte – eine Kombination aus Kran und Stapler. Zu den Ingenieuren, die an dieser Entwicklung beteiligt waren, gehörten unter anderem Friedhelm Podswyna, Horst-Werner Ruttkamp und Werner Kühn. Sie entwickelten ein System mit fahr- und drehbaren Masten, an denen die Lastaufnahmemittel vertikal verfahren werden konnten. Während die ersten Konstruktionen noch an der Hallendecke geführt wurden, setzte sich bald die bodengeführte Bauweise durch, die weitaus stabiler und flexibler waren. So ließen sich etwa die Gassen schneller, häufiger und gezielter ansteuern. Im Rahmen des Bertelsmann-Projekts wurde diese Technik entscheidend weiterentwickelt. Das 1962 installierte Regalbediengerät konnte zunächst von einer Kabine am Mast aus manuell gesteuert werden, war aber bereits für einen automatischen Betrieb mittels Lochkartensteuerung ausgelegt.
    • Das Patent von Heinz Hasselmann aus dem Jahr 1963 beschreibt ein „Regalstapelgerät mit der Umlagerung der aufgenommenen Last auf dem Lastträger dienendem Lastaufnahmemittel“ und zählt zu den technischen Meilensteinen auf dem Weg zum modernen automatischen Regalbediengerät.
    • Ob sich die Entwicklung des Regalbediengeräts einer Person zuschreiben lässt, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Fest steht jedoch, dass der praktische Einsatz dieser technischen Innovation, der das automatisierte Hochregallager erst möglich machte, das Ergebnis der engen Zusammenarbeit von Bertelsmann und Demag sowie zahlreicher Ingenieure und Praktiker war.
    • Nachhaltige Wirkung
    • Die Idee verbreitete sich rasch über Deutschland hinaus. Das Hochregallager wurde zur Blaupause moderner Lagertechnik – automatisiert, platzsparend und effizient. Bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren entstanden vergleichbare Anlagen unter anderem bei Quelle, Thyssen und später in zahlreichen Industrie- und Handelsunternehmen. Mit dem Einzug computergesteuerter Anlagen ab den 1970er-Jahren begann schließlich der Übergang zur digital gesteuerten Lagerlogistik.
    • Heute gehören vollautomatisierte und robotergesteuerte Hochregallager weltweit zum Standard der Intralogistik. Sie ermöglichen eine effiziente, platzsparende und ressourcenschonende Versorgung von Industrie, Handel und Gesellschaft und sind aus modernen Logistiksystemen nicht mehr wegzudenken.
  • Kurt Baumann

    Kurt Baumann war ein deutscher Vertriebs- und Logistikmanager bei Bertelsmann. Als Geschäftsführer des Kommissionshauses Buch und Ton (KBT) verantwortete er die Auslieferung von Büchern und Schallplatten und trieb den Aufbau leistungsfähiger, zunehmend automatisierter Lager- und Versandstrukturen voran. In zeitgenössischen Branchenbericht wurde er auch als Bertelsmanns „Vertriebspapst“ bezeichnet.

    Baumann analysierte die logistischen Herausforderungen des schnell wachsenden Versandgeschäfts und formulierte die funktionalen Anforderungen an ein neuartiges Lagersystem. Als Auftraggeber und erster Anwender schuf er den praktischen Anwendungsfall, an dem die neue Technologie entwickelt und erstmals industriell eingesetzt werden konnte. Damit leistete er einen wichtigen Beitrag zur Expansion des Konzerns und legte einen Grundstein für das spätere Logistik- und Dienstleistungsgeschäft von Bertelsmann. 

    2026 Aufnahme in die Logistics Hall of Fame

  • Heinz Hasselmann

    Heinz Hasselmann, geboren am 19. November 1936 und gestorben am 12. Juni 2009, war Konstrukteur bei der Demag Zug GmbH und gehörte in den 1960er-Jahren zu den Wegbereitern der automatisierten Lagertechnik. 

    Hasselmann entwickelte und verbesserte wesentliche Komponenten der Lagertechnik und meldete 1963 das Patent auf ein Regalstapelgerät – die damalige Bezeichnung des späteren Regalbediengeräts – an (Patent DE 1229454 B). Seine Konstruktion zählt zu den technischen Grundlagen automatischer Hochregallager.

    2026 Aufnahme in die Logistics Hall of Fame

  • Reinhard Mohn

    Reinhard Mohn, geboren am 29. Juni 1921 in Gütersloh und gestorben am 3. Oktober 2009 in Steinhagen, gilt als Nachkriegsgründer von Bertelsmann. Nach seiner Rückkehr aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft übernahm er 1947 die Leitung des Familienunternehmens und entwickelte den mittelständischen Verlag zu einem internationalen Medienkonzern. Mit dem Bertelsmann Lesering legte er 1950 den Grundstein für das starke Wachstum des Unternehmens. 1977 gründete er die Bertelsmann Stiftung.

    Mohn initiierte den Bau des Büchersilo und trieb das Vorhaben persönlich voran. Angesichts des rasanten Wachstums des Buch- und Schallplattenversands entschied er sich für den Bau eines damals weltweit neuartigen automatischen Hochregallagers – ein visionärer Schritt, der zu jener Zeit als ebenso innovativ wie risikoreich galt. Mit dieser Entscheidung schuf er die Voraussetzungen für eine Innovation, deren wirtschaftlicher Erfolg keineswegs sicher war.

    2026 Aufnahme in die Logistics Hall of Fame

  • Hans Reuter

    Hans Reuter, geboren am 23. Januar 1895 in Wetter an der Ruhr und gestorben am 23. Oktober 1982 in Duisburg, war ein deutscher Maschinenbauingenieur und langjähriger Leiter der Demag. Nach seinem Studium an der Technischen Hochschule Dresden trat er 1922 in das Unternehmen ein, wurde 1934 Vorstandsmitglied und 1940 Generaldirektor. Ab 1947 prägte er den Wiederaufbau und die technische Weiterentwicklung des Konzerns. 1954 erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Später wechselte er in den Aufsichtsrat, dessen Vorsitz er ab 1967 übernahm.

    Reuter übernahm als Verantwortlicher auf Seiten des Technologiepartners die Gesamtverantwortung für die Entwicklung und Realisierung des Büchersilos und koordinierte die hierfür erforderlichen Entwicklungsarbeiten. Unter seiner Führung stellte sich Demag der bis dahin ungelösten Aufgabe, Waren automatisch in einem Hochregallager ein- und auszulagern.

    2026 Aufnahme in die Logistics Hall of Fame

Fotos: LHOF / Bertelsmann / Dematic / Demag / OA-Archive / verbessert mit KI

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