Jürgen Weber
Pionier des Logistik-Controlling
Prof. Emeritus Dr. Dr. h. c. Jürgen Weber (*1953) ist einer der prägenden Kennzahlen-Pioniere der Logistik und ein weltweit anerkannter Experte für Logistik- und Supply-Chain-Controlling. Er hat die betriebswirtschaftlichen Steuerungslogiken entwickelt und verbreitet, auf deren Grundlage industrielle Logistik heute weltweit gemessen, bewertet und gesteuert wird. Damit hat er maßgeblich dazu beigetragen, Logistik als strategisch steuerbare Wertschöpfungsfunktion in Unternehmen zu verankern.
| Branche | Wissenschaft und Forschung |
| Land | Deutschland |
| Aktuelle Position | Prof. Emeritus Dr. Dr. h. c. Jürgen Weber ist weiterhin aktiv mit dem Institut für Management und Controlling (IMC) der WHU – Otto Beisheim School of Management verbunden. Bis Dezember 2021 war er Inhaber des Lehrstuhls für Controlling und Unternehmenssteuerung sowie Direktor des IMC an der WHU. |
| Aufnahme in die Logistics Hall of Fame | 2026 |
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Verdienste
- Prof. Emeritus Dr. Dr. h. c. Jürgen Weber wurde am 4. November 1953 in Holzminden geboren. Er studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität Göttingen (Diplom 1978), promovierte 1981 an der Universität Dortmund und habilitierte sich 1982 an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Im selben Jahr übernahm er den Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Controlling, an der WHU – Otto Beisheim School of Management.
- Weber hat die Kennzahlen maßgeblich geprägt, mit denen die industrielle Logistik heute arbeitet, und zählt zu den Logistikwissenschaftlern mit internationalem Renommee. Er hat wesentlich dazu beigetragen, Logistikprozesse betriebswirtschaftlich messbar, steuerbar und vergleichbar zu machen und damit die Grundlage für die moderne KPI-basierte Supply-Chain-Steuerung geschaffen. Dabei hat er nicht einzelne Kennzahlen „erfunden“, sondern die Controlling-Systematik der Logistik konzeptionell professionalisiert und als Standard in Wissenschaft und Praxis etabliert.
- Weber ist vor allem dafür bekannt, die Logistik- und Supply-Chain-Steuerung konsequent controlling-orientiert strukturiert zu haben. Dadurch etablierte er ein umfassendes Kennzahlensystem, das die industrielle Logistik bis heute prägt. Im Zentrum stehen Kosten- und Wirtschaftlichkeitsgrößen wie Logistikkostenquoten, Kosten pro Sendung oder Auftrag sowie Kosten pro Tonne-Kilometer oder Palettenbewegung. Sie schaffen Transparenz über die tatsächlichen Logistikkosten und ermöglichen die wirtschaftliche Steuerung von Supply Chains.
- Ergänzend integrierte Weber Service-Level-Kennzahlen wie Liefertermintreue, Lieferfähigkeit (Fulfillment Rate), Durchlaufzeiten (Order-to-Delivery Time) sowie Fehlmengenkosten beziehungsweise Stock-out-Raten systematisch in die Steuerung und machte damit die Logistikleistung konsequent aus Kundensicht messbar. Darüber hinaus verankerte er Bestands- und Kapitalbindungskennzahlen wie Lagerumschlagshäufigkeit, Reichweite (Days of Inventory), Kapitalbindung im Umlaufvermögen sowie Bestandsgenauigkeit als zentrale Steuerungsgrößen. Damit wurde die Effizienz logistischer Prozesse erstmals systematisch mess- und vergleichbar. Schließlich überführte Weber Prozess- und Produktivitätskennzahlen wie Pickleistung (Kommissionierleistung pro Stunde), Lagerdurchsatz, Auslastung von Lager- und Transportkapazitäten sowie Fehlerquoten in der Auftragsabwicklung in die operative Steuerung. Damit wurden die Effizienz logistischer Prozesse erstmals systematisch mess- und vergleichbar.
- Ein weiterer zentraler Beitrag Webers liegt in der Entwicklung einer integrierten Steuerungslogik für die Logistik. Er übertrug die Balanced-Scorecard-Logik konsequent auf die Logistik und prägte damit den Übergang von isolierten Einzelkennzahlen zu einem ganzheitlichen Steuerungssystem. Die Logistiksteuerung wurde dadurch systematisch entlang der Dimensionen Kosten, Zeit, Qualität, Service und Kapitalbindung ausgerichtet.
- Seine Forschungsfelder sind Controlling, Logistik und New Public Management. Er veröffentlichte zahlreiche Standardwerke, darunter das bis heute als Referenz geltende Werk „Logistik- und Supply Chain Controlling“, das in der universitären Ausbildung als Grundlagenliteratur dient. Insgesamt publizierte er mehr als ein Dutzend Bücher sowie mehrere hundert wissenschaftliche Beiträge. Weber weitete seine Forschung früh auf das Logistik-Controlling aus und entwickelte ein Konzept der Logistikkostenrechnung, das heute als Standard an Universitäten gelehrt wird. Darüber hinaus entwickelte er ein Konzept der Logistikleistungsrechnung (unter anderem durch die Mitwirkung an der VDI-Richtlinie 4400), integrierte logistische Erlöswirkungen in das Controlling und erweiterte dieses konsequent zum Supply-Chain-Controlling. Damit übernahm er in diesem Forschungsfeld eine unbestrittene Konzeptführerschaft.
- Ein weiterer Forschungsschwerpunkt liegt in der Analyse logistischer Netzwerke. Im Rahmen des BMBF-Forschungsprojekts „Vision Logistik“ entwickelte Weber gemeinsam mit ingenieurwissenschaftlichen Instituten und der TU Darmstadt grundlegende Konzepte zur Gestaltung optimaler Supply Chains.
- Weber war von 1982 bis 2021 Inhaber des Lehrstuhls für Controlling an der WHU – Otto Beisheim School of Management. Er leitete mehrere zentrale Forschungs- und Transferzentren, darunter das Center for Controlling & Management (CCM) in Kooperation mit führenden Unternehmen, darunter zahlreiche DAX-Konzerne. Rufe an renommierte Universitäten wie Mainz, Wien und Darmstadt lehnte er ab. Im Jahr 2006 erhielt Weber die Ehrendoktorwürde der European Business School (EBS). Er war Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Organisationen, Herausgeber der Controlling & Management Review (früher Zeitschrift für Controlling & Management) und engagierte sich in verschiedenen Forschungs- und Arbeitskreisen.
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Vita
Geboren am 4. November 1953 in Holzminden, Deutschland
1973 bis 1978 Studium der Betriebswirtschaftslehre in Göttingen
1981 Promotion an der Abteilung Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Dortmund
1982 Habilitation an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Friedrich Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
1982 bis 2021 Inhaber des Lehrstuhls für Controlling an der WHU – Otto Beisheim School of Management
seit 2022 Emeritus
2026 Aufnahme in die Logistics Hall of Fame
Fotos: Privat















































