Umfrage: Cyberkriminalität bleibt größtes Risiko der Logistikbranche
Laut der aktuellen Befragungsreihe der Logistics Hall of Fame in Kooperation mit der SCHUNCK GROUP erreichen Cybervorfälle im Risikoranking erstmals 100 Prozent, Lieferkettenunterbrechungen fallen nach einem Höchstwert im Frühjahr deutlich zurück. Auch für das eigene Unternehmen bleibt Cyberkriminalität die größte Gefahr, gefolgt von Fachkräftemangel und Marktveränderungen. Von der Bundesregierung wünscht sich die Branche vor allem schnellere Genehmigungsverfahren.
Cyberkriminalität ist das dominierende Risiko der Logistikbranche. In der aktuellen Trend Survey der Logistics Hall of Fame, die in Kooperation mit der SCHUNCK GROUP zweimal jährlich durchgeführt wird, nannten ausnahmslos alle Teilnehmenden (100 Prozent) Cyberkriminalität und Cybervorfälle als eine der drei größten Gefahren für die weltweite Logistik. Im April 2026 lag dieser Wert bei 75,9 Prozent, im Mai 2025 bei 75 Prozent. Damit erreicht die Sorge vor Angriffen aus dem Netz den höchsten Wert, seit die Befragungsreihe läuft.
Auf den weiteren Plätzen folgen politische Risiken mit 48,1 Prozent und Fachkräftemangel mit 40,7 Prozent. Beide haben gegenüber der Befragung im April an Gewicht verloren: Politische Risiken lagen bei der zuletzt durchgeführten Befragung bei 65,5 Prozent, der Fachkräftemangel bei 51,7 Prozent. Im Vergleich zur Vorjahresbefragung fällt der Rückgang beim Fachkräftemangel mit mehr als 34 Prozentpunkten (damals 75 Prozent) noch deutlicher aus. Politische Risiken liegen dagegen weiterhin über dem Niveau von 2025 (43,75 Prozent).
Deutlich an Bedeutung verloren haben Lieferkettenunterbrechungen. Nach 34,5 Prozent im April nannten sie nun nur noch 14,8 Prozent der Befragten und damit etwa so viele wie im Mai 2025 (12,5 Prozent). Makroökonomische Veränderungen sanken von 20,7 auf 11,1 Prozent. Marktveränderungen (29,6 Prozent) und rechtliche Veränderungen (22,2 Prozent) legten gegenüber 2025 (25 bzw. 12,5 Prozent) zu. Betriebsunterbrechungen, Naturkatastrophen sowie Diebstahl, Betrug und Korruption folgen mit jeweils 7,4 Prozent. Ein Pandemie-Ausbruch und Produktrückrufe wurden von keinem Teilnehmenden genannt.
„Dass sämtliche Befragten Cyberkriminalität unter ihren größten Risiken nennen, ist ein deutliches Signal. Cyberangriffe treffen Unternehmen jeder Größe und jeder Branche., Sie lassen sich nicht wie eine Krise im Nahen Osten oder eine Zollentscheidung am Horizont beobachten, sie können jederzeit, unmittelbar und ohne Vorwarnung eintreten“, sagt Thomas Wicke, Geschäftsführer der SCHUNCK GROUP. „Wer seine IT-Sicherheit, seine Notfallprozesse und seine Mitarbeitenden nicht kontinuierlich auf den Prüfstand stellt, geht damit ein extremes, Risiko ein, das sich definitiv nicht aussitzen lässt“, macht er deutlich.
Im eigenen Unternehmen: Marktveränderungen rücken nach oben
Mit Blick auf das eigene Unternehmen nennen 70,4 Prozent der Befragten Cyberkriminalität als größte Gefahr, nahezu unverändert gegenüber 2025 (70,6 Prozent). Es folgen Fachkräftemangel (48,1 Prozent), Marktveränderungen (44,4 Prozent) und politische Risiken (40,7 Prozent). Auffällig ist der Anstieg bei den Marktveränderungen: Sie haben sich gegenüber Mai 2025 (23,5 Prozent) fast verdoppelt. Der Fachkräftemangel liegt dagegen deutlich unter dem damaligen Wert von 58,8 Prozent. Auf rechtliche Veränderungen entfielen 14,8 Prozent, auf Betriebsunterbrechungen und makroökonomische Veränderungen jeweils 11,1 Prozent. Als sonstiges Risiko wurde die Konkurrenz durch betrügerische Geschäftspraktiken genannt.
Die allgemeine Risikosituation für die Logistikbranche bewerten die Teilnehmenden auf einer Skala von eins (kaum spürbar) bis zehn (existenzbedrohend) im Durchschnitt mit 5,85. Am häufigsten wurde die Note sieben vergeben (25,9 Prozent). Knapp die Hälfte der Befragten (48,1 Prozent) wählte einen Wert von sieben oder höher, die Höchstnote vergab niemand.
„Das Stimmungsbild ist angespannt, aber nicht von Panik geprägt. Die Branche sieht die Lage ernst, sieht aber immer noch Licht am Ende des Tunnels“, sagt Wicke. Bemerkenswert sei seiner Ansicht nach, dass die Umfrageteilnehmenden das eigene Marktumfeld in den Vordergrund rückten. „Hier zeigt sich, dass Unternehmen ihre Kundenbeziehungen und ihre Wettbewerbspositionen gezielt absichern müssen - und zwar parallel zu den Investitionen in Sicherheit und Personal“, fährt er fort.
Investitionen in IT-Sicherheit und Personal stehen im Mittelpunkt
Auf die Frage nach konkreten Gegenmaßnahmen nannten die Teilnehmenden in freien Antworten am häufigsten Investitionen in IT- und Cybersicherheit sowie Schulungen und Sensibilisierung der Belegschaft. Ebenfalls mehrfach genannt wurden Maßnahmen zur Personalgewinnung und -bindung, darunter Recruiting auch aus Drittstaaten, Ausbildung und Mitarbeiterpflege. Weitere Ansätze sind Kooperationen, die standardisierte Risikobewertung von Lieferanten, Backup-Strukturen, Objektschutz und Videotechnik, Versicherungen sowie eine Stärkung des Eigenkapitals.
Vereinfachte Genehmigungen an erster Stelle der Forderungen an die Politik
Von der Bundesregierung wünschen sich die Befragten in erster Linie die Vereinfachung und Beschleunigung von Genehmigungsprozessen (55,6 Prozent). Im Mai 2025 lag dieser Wert noch bei 68,8 Prozent. Es folgen Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel wie Bildung, Fachkräftezuwanderung und Qualifizierungsprogramme (44,4 Prozent, 2025: 43,8 Prozent) sowie Investitionen in digitale Infrastrukturen und Resilienzprogramme (40,7 Prozent). Mehr Unterstützung für kleine und mittelständische Unternehmen der Logistik fordern 37,0 Prozent. Jeweils 25,9 Prozent nennen bessere gesetzliche Rahmenbedingungen für Cybersicherheit und Datenschutz, Förderprogramme zur Risikominimierung sowie eine bessere Absicherung der Lieferketten durch Handelsabkommen. In freien Antworten wurden zudem Bürokratieabbau, Investitionen in Infrastruktur und niedrigere Energiepreise genannt.
Die mehrmals jährlich durchgeführte Umfrage erhebt kein repräsentatives Stimmungsbild, spiegelt jedoch aktuelle Einschätzungen eines ausgewählten C-Level-Panels aus dem Netzwerk der Logistics Hall of Fame und der SCHUNCK GROUP wider. An der aktuellen Befragung nahmen Führungskräfte aus Speditionen, Transport- und Kontraktlogistikunternehmen teil, davon 40,7 Prozent aus Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und 33,3 Prozent aus Unternehmen mit mehr als 500 Millionen Euro Jahresumsatz.















































